WordPress 6.9 ist da und das sind die wichtigsten Neuerungen

Am 2. Dezember kommt WordPress 6.9 heraus und wir zeigen dir, was diese Version mitbringt. Künftig kannst du etwa Notizen zu Blöcken hinterlassen und dich auf diese Weise mit anderen Teammitgliedern austauschen. Blöcke lassen sich nun optional für Besuchende ausblenden, während sie sich im Backend weiter bearbeiten lassen. Und Entwickler:innen dürften die neue Abilities API spannend finden: Sie ist als zentrales Register für Funktionen gedacht. Wozu das in Zukunft genutzt werden soll, erkläre ich dir in diesem Artikel.

Bessere Zusammenarbeit durch „Notes“

Das WordPress-Team hat sich „Collaboration“ für die aktuelle Phase des Gutenberg-Projekts auf die Fahnen geschrieben. Und das ist gut, denn WordPress wird häufig in Teams eingesetzt und bislang fehlen dem CMS dafür von Haus aus wichtige Funktionen.

Ein Beispiel für diesen neuen Fokus sehen wir in WordPress 6.9 mit den „Notes“. Sie waren bislang intern als „Block Comments“ bekannt. Darüber kannst du Kommentare zu einem Block hinterlassen. Stell es dir so ähnlich vor wie bei Google Docs: Du markierst einen Absatz, ein Bild oder eine Überschrift und hinterlässt eine Anmerkung für deine Kolleg:innen. Andere können deine Notiz aufrufen, darauf antworten und sie letztlich auch als „erledigt“ markieren. Du findest diese Funktion in der Block-Toolbar im Menü mit den drei Punkten. 

Das ist nicht alles: Außerdem gibt es in der rechten oberen Ecke eine Option, um sich in der Seitenleiste alle Notizen auf einen Blick anzeigen zu lassen. Klickst du auf eine, wird dir der dazugehörige Block angezeigt. Praktisch!

Diese Anmerkungen und Diskussionen werden natürlich nicht den Besuchenden deiner Website angezeigt, sondern sind nur im Backend für Nutzer:innen mit den passenden Rechten sichtbar.

Das alles klingt zunächst wie eine kleine Sache, aber aus meiner Sicht hat diese Funktion schon in dieser ersten Version das Potenzial, Teams das Leben spürbar zu erleichtern. Bislang müssen Absprachen zu Inhalten schließlich immer in externen Tools stattfinden oder man braucht entsprechende Plugins. 

Aus meiner Sicht ist es perfekt, dass WordPress solche Funktionen nun direkt ins System integriert. Ich bin schon gespannt, wie es damit im neuen Jahr weitergeht.

Experten Zitat zum WordPress 6.9 Release:
Ich finde diese Funktion großartig – sie hätte schon früher kommen können. Sie war ja schon lange als Beta im Gutenberg-Editor verfügbar. Wenn sie jetzt aber zuverlässig funktioniert, ist das ein echter Gewinn: Man kann Blöcke für Kollegen auf Live-Seiten vorbereiten und sie später, etwa bei Kampagnenstart, direkt im Frontend aktivieren. Dadurch benötigen wir künftig auch wieder weniger zusätzliche Plugins.

Dominic Vogl, Web Developer, Raidboxes

Blöcke im Frontend ausblenden

Eine weitere Neuerung von WordPress 6.9 ist zwar deutlich kleiner als die neuen Notizen, könnte aber für viele ebenfalls große Auswirkungen auf ihre Workflows haben: Du kannst jetzt einen Block optional im Frontend ausblenden, während er im Backend sichtbar bleibt und sich weiter bearbeiten lässt.

Das ist nützlich für verschiedene Szenarien:

  • Staging: Du kannst einen neuen Abschnitt vorbereiten und im Kontext der Seite sehen, ohne dass er schon live geht.
  • Design-Experimente: Teste zwei verschiedene Layout-Varianten direkt auf der Seite und schalte eine davon ab.
  • Temporäre Inhalte: Blende eine saisonale Ankündigung schnell aus, ohne sie löschen zu müssen, um sie im nächsten Jahr wiederzuverwenden.

Natürlich gab es für alle diese Punkte bereits andere Möglichkeiten und diverse Workarounds. Aber dieser Kniff macht das Leben leichter. 

Die Befehlspalette ist nun überall erreichbar

Die Befehlspalette gibt es bislang schon im Editor. Nun wird sie im gesamten Backend über die Tastenkombination Ctrl+K (Windows) oder Command+K (Mac) erreichbar sein. Das ist eine exzellente Nachricht für alle, die Tastatursteuerung bevorzugen. Aber nicht nur für die: Die Befehlspalette gibt dir schließlich eine praktische Abkürzung zu wichtigen und oft genutzten Funktionen: Du kannst darüber beispielsweise einen neuen Post anlegen oder eine Vorschau in einem neuen Tab öffnen. Außerdem kannst du direkt hier etwas suchen, zu bestimmten Seiten im Backend wechseln und einiges mehr.

Wie das Team im offiziellen Post zur WordPress 6.9 Beta 1 angemerkt hat, ist dies nur der Anfang. Über die neue Abilities API (siehe unten) können Entwickler künftig Funktionen zur Palette hinzufügen. So gesehen könnte sie damit bald zum einfachsten und schnellsten Weg werden, um häufig genutzte Features und Einstellungen zu erreichen.

Command Palette 1, Quelle: make.wordpress.org
Command Palette 2, Quelle: make.wordpress.org
Command Palette 3, Quelle: make.wordpress.org

Neue, praktische Blöcke

Außerdem erweitert das WordPress-Team die Liste der mitgelieferten Blöcke um mehrere nützliche Varianten:

  • Akkordeon: Damit kannst du barrierefreie Klappmenüs erstellen und das ganz ohne Block-Sammlungen von Drittanbietern oder Workarounds über den Details-Block. Ein typischer Anwendungsfall sind etwa FAQs, bei denen sich die Antworten erst auf Klick öffnen oder andere Inhalte, die nur im Bedarfsfall sichtbar sein sollen, wie etwa weiterführende Informationen.
  • Lesezeit: Dieser Block analysiert deinen Inhalt und zeigt die geschätzte Lesezeit an. Damit können deine Besuchenden schnell entscheiden, ob sie sich deinen Inhalt sofort ansehen wollen oder es auf später verschieben.
  • Mathe: Eine spezielle Ergänzung für Bildungs- oder Wissenschafts-Websites. Mit diesem Block kannst du mathematische Formeln und Gleichungen korrekt formatiert darstellen.
  • Terms Query: Mit diesem Block lassen sich Listen von Taxonomie-Begriffen (z. B. alle Kategorien oder bestimmte Schlagwörter) flexibel in deinen Inhalt einfügen und gestalten.

Damit nicht genug, gibt es auch ein kleines, feines Update: Die Blöcke für Überschriften und Absätze erhalten die Funktion „Fit Text“. Ähnlich wie „Stretchy Type“ in Design-Tools passt sich die Schriftgröße hier automatisch an die Breite des Containers an. 

Accordion Block, Quelle: make.wordpress.org
Terms Query Block, Quelle: make.wordpress.org

Die neue Abilities API: Ein zentrales Register für Funktionen

Die Abilities API ist die vielleicht wichtigste technische Neuerung in WordPress 6.9, während sie für Endanwender:innen noch nicht direkt sichtbar ist. Du kannst sie dir als ein neues zentrales Register für WordPress-Funktionen vorstellen.

Als Hintergrund dazu: Bisher waren die Funktionalitäten von Core, Themes und Plugins oft in isolierten Funktionen oder eigenen AJAX-Handlern „versteckt“. Externe Tools (und selbst WordPress-Core-Funktionen) konnten nicht standardisiert abfragen, wozu eine Website in der Lage ist.

Diese neue API ändert das: Entwickler:innen können ihre Funktionen jetzt als „Fähigkeiten“ (Abilities) registrieren. Langfristig ist diese API Fundament für zukünftige Automatisierungen und KI-Integrationen. Die API ist Teil der „AI Building Blocks for WordPress“-Initiative. Ein konkretes Beispiel ist bereits heute die MCP-Integration für WooCommerce. Über sie können KI-Assistenten und -Tools auf solche Onlineshops zugreifen.

Experten Zitat zum WordPress 6.9 Release:
Ich freue mich sehr darauf, dieses neue Feature mit seinen echten Funktionen zu testen. Ich kann mir bereits spannende Workflows vorstellen – etwa die Interaktion mit LLMs, Schnittstellen zu anderen Systemen oder die Bereitstellung von Funktionen über Blöcke hinaus an mehreren Stellen der Website.

Dominic Vogl, Web Developer, Raidboxes

Was bedeutet das für Entwickler:innen?

Statt eine Funktion nur in PHP zu definieren, registriert man sie jetzt über wp_register_ability() am wp_abilities_api_init-Hook. Dabei definierst du die folgenden Punkte:

  • Inputs & Outputs: Was nimmt die Funktion entgegen und was gibt sie zurück? (Definiert per JSON Schema zur automatischen Validierung).
  • Berechtigungen: Wer darf diese Funktion ausführen? (z.B. via permission_callback).
  • Ausführung: Welche PHP-Funktion wird aufgerufen? (via execute_callback).

Der praktische Nutzen geht zugleich über KI hinaus:

  • Automatische REST-API: Abilities stehen standardmäßig über die REST-API bereit. Durch ’show_in_rest‘ lassen sich zusätzliche REST-Features aktivieren.
  • Integration mit Core: Dies ist die neue, standardisierte Art, wie Funktionen für andere WordPress-Elemente sichtbar gemacht werden. Ein wichtiges Beispiel ist die oben schon genannte Befehlspalette (Command Palette), die diese Abilities direkt nutzen kann.

Die API befindet sich in einem experimentellen Stadium, damit Developer sie testen und Feedback geben können. Mehr Informationen findest du dazu in diesem Post.

Weitere Updates für Entwickler:innen

Neben der brandneuen Abilities API liefert WordPress 6.9 außerdem Verbesserungen und Erweiterungen für bestehende Funktionen.

Wichtige Upgrades für die Interactivity API

Die Interactivity API ist die Grundlage für moderne, App-ähnliche Erlebnisse in WordPress und erhält in 6.9 mehrere Upgrades.

Ein Update ist eine neue Syntax mit Dreifach-Bindestrich (—), die eindeutige IDs für Direktiven erlaubt. Das löst das Problem, dass mehrere Plugins nicht dieselbe Direktive (z.B. data-wp-on–click) auf dasselbe HTML-Element anwenden konnten.

Für Entwickler:innen, die TypeScript nutzen, gibt es zudem neue Helfertypen (AsyncAction, TypeYield) für asynchrone Aktionen.

Mehr Informationen dazu in diesem Post in Make WordPress Core.

Außerdem wird die Navigation zwischen Seiten ohne Neuladen (Client-Side Navigation), die über das @wordpress/interactivity-router Modul läuft, verbessert. Bisher wurde beim Navigieren nur das HTML getauscht. Jetzt lädt WordPress auch neue Stylesheets und Script-Module nach (inkl. importmap-Support). Neue Optionen wie attachTo für Router-Regionen (nützlich für Overlays) und ein zuverlässigeres State-Management (getServerState) machen die Funktion robuster.

Mehr dazu in diesem offiziellen Post.

Hinweis: Die Direktive data-wp-ignore ist veraltet und wird in zukünftigen Versionen entfernt, da sie Probleme mit der client-seitigen Navigation verursachte.

Verbesserungen bei Block Bindings

Die Block Binding API, mit der sich Block-Attribute dynamisch an Datenquellen (wie Custom Fields) anbinden lassen, erhält in 6.9 Verbesserungen für Nutzende und Entwickler:innen.

Für Anwender:innen wurde die Benutzeroberfläche im Editor überarbeitet. Es ist jetzt einfacher, zwischen verschiedenen Datenquellen zu wechseln und Attribute mit einem Klick zu verbinden oder zu lösen.

Für Entwickler:innen gibt es zwei wichtige technische Neuerungen:

  1. Serverseitig erlaubt der neue Filter block_bindings_supported_attributes_{$block_type} Entwickler:innen, genau zu definieren, welche Attribute eines Blocks überhaupt angebunden werden können.
  2. Im Editor sorgt die neue getFieldsList-Methode bei der Registrierung eigener Datenquellen dafür, dass diese in der verbesserten UI-Auswahl (dem Dropdown) korrekt angezeigt werden.

Erfahre mehr darüber in diesem Post.

Performance-Optimierungen im Frontend

WordPress 6.9 bringt außerdem eine Reihe von Verbesserungen für die Ladegeschwindigkeit der Frontend-Ausgabe und wirkt sich damit positiv auf wichtige Web-Vitals wie LCP, FCP und CLS aus. Hier einige der wichtigsten Neuerungen:

  • Priorisierung von Skripten: Für klassische Skripte und Script Modules steht nun das Attribut fetchpriority (auto, low, high) zur Verfügung. Damit lassen sich nicht-kritische Ressourcen gezielt nachrangig laden, sodass wichtige Elemente wie das LCP-Bild (z. B. das Hero- oder Beitragsbild) schneller verfügbar sind.
  • Styles on demand in Classic Themes: Klassische Themes laden jetzt standardmäßig nur noch die CSS-Dateien für Blöcke, die tatsächlich auf der aktuellen Seite vorkommen. Das reduziert die CSS-Menge im Schnitt um rund 45 % und sorgt so für schnelleres Rendering.
  • Mehr Inline-CSS: Das Limit für automatisch inline eingebettete Styles wurde von 20 KB auf 40 KB erhöht. Dadurch können deutlich mehr kleine Stylesheets ohne zusätzlichen HTTP-Request geladen werden. Das ist ein klarer Vorteil zumindest für die erste Besucherinteraktion.
  • Keine Assets für nicht sichtbare Blöcke: Styles und Skripte von Blöcken, die im Ergebnis kein Markup erzeugen (z. B. fehlendes Beitragsbild, versteckte Blöcke), werden jetzt automatisch weggelassen.
  • Optimierter Emoji-Loader: Das Emoji-Erkennungsskript ist nun ein modernes Script Module und wurde in den Footer verschoben, um den kritischen Renderpfad nicht mehr zu blockieren.
  • Weniger Layout Shift: Der Video-Block wurde überarbeitet, sodass Poster-Bild und Videostart keine Layout-Sprünge mehr verursachen. Das verbessert die CLS-Werte spürbar.
  • Schnellerer WP-Cron: Der Cron-Prozess wird nicht mehr beim init-Hook angestoßen, sondern erst beim shutdown-Hook. Das kann den TTFB (Time to First Byte) insbesondere auf schwächeren Servern deutlich reduzieren.
  • Template Enhancement Output Buffer: WordPress führt erstmals einen standardisierten Ausgabe-Puffer ein, mit dem sich komplette HTML-Dokument vor dem Ausliefern optimieren lassen. Er bildet beispielsweise die Grundlage dafür, dass WordPress in Classic Themes nun automatisch die später erkannten Block-Styles an die richtige Stelle im <head> verschiebt. In Zukunft wird dieser Buffer weitere Performance-Features ermöglichen.

Das Team hat einen ausführlichen „Frontend Performance Field Guide“ veröffentlicht, in dem du zahlreiche weitere Informationen findest.

Experten Zitat zum WordPress 6.9 Release:
Auch hier sehe ich wieder einige praktische und wichtige neue Funktionen, die es ermöglichen, mit Boardmitteln die Performance der eigenen Website zu verbessern. So gibt es mehr Optionen, etwa die Ladereihenfolge von Skripten zu optimieren und die Blöcke selbst noch smarter zu steuern.

Dominic Vogl, Web Developer, Raidboxes

Zwei Dinge, die noch nicht kommen

Neben diesen Neuerungen gibt es auch zwei Punkte, deren Fehlen dir eventuell aufgefallen ist. Hier der Vollständigkeit halber genannt:

  1. Es gibt diesmal kein neues Standard Theme. Angesichts der Flexibilität von Block-basierten Themes war diese Tradition bereits von manchen in Frage gestellt worden. Offiziell abgeschafft ist sie aber nicht. Insofern könnten wir 2026 wieder ein neues, offizielles Theme dazubekommen, aber eben nicht diesmal.
  2. Das „Erweiterte Template Management“ war eigentlich ein großes Feature von WordPress 6.9. Entsprechend findet es sich in vielen Vorschauberichten zur neue Version. Das Team hat es aber auf WordPress 7.0 verschoben.

Fazit

Dieser Artikel kann natürlich nur eine Auswahl all der Neuerungen und Verbesserungen aufzeigen, die es in WordPress 6.9 zu entdecken gibt. Lass uns gern in den Kommentaren wissen, worüber du dich besonders freust oder was für dich am spannendsten ist.

Positiv ist aus meiner Sicht, dass wir mit den „Notizen“ einen ersten Vorgeschmack auf verbesserte Features rund um die Zusammenarbeit im Team bekommen. Und die Option, Blöcke im Frontend auszublenden, dürfte ebenfalls im Alltag praktisch sein.

Zugleich arbeitet das Team hinter den Kulissen fleißig an Neuerungen, die sich für Normalsterbliche erst demnächst bemerkbar machen. Dazu zählen die neue Abilities API und die Verbesserungen bei der Interactivity API. Hier geht es darum, dass WordPress relevant bleibt und bei aktuellen Entwicklungen mithält.

Mit anderen Worten: WordPress ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. Wir dürfen jetzt schon gespannt sein, was 2026 bringt!

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